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BGM ist mehr als der Obstkorb oder die Rückenschule. Insbesondere durch eine systematische Vorgehensweise kann Ihr Betrieb erfolgreicher werden.

Blick in die Praxis

Verantwortliche aus Unternehmen berichten von ihren ersten Erfahrungen mit ihrem Betrieblichen Gesundheitsmanagement.



Vom Pilotprojekt zur Praxis

Um ein Betriebliches Gesundheitsmanagement einzuführen, ist die Bäckerei Bubner strategisch vorgegangen und hat den Prozess zunächst in einem Pilotbereich getestet.

 

Das Bäckerhandwerk gehört zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren im Land. Doch es wird schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu finden und Fachkräfte im Betrieb zu halten. Damit sein Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich am Markt ist, hat sich Thomas Bubner, Geschäftsführer der Bäckerei Bubner im Südosten Brandenburgs, für die Einführung eines BGM entschieden – ein wichtiger Schritt für den mittelständischen Betrieb mit 100-jähriger Familientradition. Um die Firma mit ihren rund 250 Mitarbeitenden in 16 Filialen, in der Backstube, im Fuhrpark sowie im Büro- und Marketingbereich nicht zu überfordern, setzte der Unternehmer zunächst auf eine Pilotphase in einem Teil des Unternehmens. So konnte der Betrieb erste Erfahrungen mit BGM sammeln.

 

Den Mitarbeiterwünschen folgen

Der Prozess begann 2013 mit einem Strategiegespräch. Schon hier wurde klar, dass das BGM schrittweise und nur in einem ausgewählten Bereich umgesetzt werden sollte – im Verkauf. Das Unternehmen befragte etwa 20 Mitarbeitende aus unterschiedlichen Positionen nach Problemen und Verbesserungsmöglichkeiten in Sachen Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Das Ergebnis: Die Beschäftigten wünschten sich vor allem mehr Wissen und Austausch zur gesunden Arbeitsgestaltung, mehr Ergonomie an den Arbeitsplätzen und eine bessere Kommunikation im Betrieb. Auf einem „Marktplatz Gesundheit“ wurden die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung vorgestellt und mit den Beschäftigten diskutiert. So waren nicht nur alle Mitarbeiter von Anfang im Bild, sie konnten sich auch selbst einbringen und gemeinsame Vorschläge erarbeiten – und zwar zeitversetzt, sodass keine Filialen geschlossen werden mussten. Etwa 60 Beschäftigte haben von der Gelegenheit Gebraucht gemacht.

 

In einem nächsten Schritt wurden zwei geeignete Mitarbeiterinnen zu Gesundheitskoordinatorinnen geschult – eine Mitarbeiterin aus dem Verkaufsbereich, die mit den dortigen Arbeitsanforderungen bestens vertraut ist, sowie eine Mitarbeiterin aus der Verwaltung, die Erfahrung mit organisatorischen Aufgaben hat. Ihre Aufgabe: BGM-Aktivitäten im Betrieb anstoßen, diese koordinieren und verfolgen. „Uns ist bewusst geworden, wie wichtig es ist, unseren Mitarbeitern zu zeigen, dass wir sie, ihre Probleme und Bedürfnisse wahrnehmen. Mit unserem BGM wollen wir dazu beitragen“, erklärt Katrin Schulze, Gesundheitskoordinatorin in der Bäckerei Bubner, ihre Rolle. Die Koordinatorinnen fungieren deshalb nicht nur als Schnittstelle zwischen Chefetage und Belegschaft, sie sind auch Ansprechpartnerinnen und Vertrauenspersonen. Darüber hinaus wissen sie, an welcher Stelle professionelle Unterstützung benötigt wird und wo es die entsprechenden Angebote gibt.

 

Erfolgreiche Maßnahmen ausweiten

Die Beschäftigten in der Verkaufsabteilung profitierten am Ende von verschiedenen Maßnahmen: In mehreren Filialen wurde eine ergonomische Arbeitsplatzberatung durchgeführt und Führungskräfte konnten ein Training zum Thema „Mitarbeiter-Jahresgespräche führen“ absolvieren. Ein eigens produzierter Film klärt außerdem im Intranet über den BGM-Prozess im Betrieb auf.

Dass die Pilotphase erfolgreich war, zeigt das bei der Belegschaft eingeholte Feedback. Die Mitarbeiter empfanden vor allem den kollegialen Austausch und das Gefühl, vom Betrieb wahrgenommen und gehört zu werden, als sehr wertschätzend und motivierend. Deshalb soll das BGM nicht mehr auf den Verkauf beschränkt bleiben, sondern auf weitere Bereiche ausgeweitet werden – eine neue Aufgabe für die Gesundheitskoordinatorinnen im Betrieb. „Wir stehen erst am Anfang einer großen Herausforderung, die wir in kleinen, aber erfolgreichen Schritten meistern wollen“, so Katrin Schulze.

 

 


Ganzheitlich gesund

Die Verbandsgemeinde Daun bettet ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement in einen ganzheitlichen Prozess ein, der für gesunde Lebens-, Wohn- und Arbeitsverhältnisse sorgen soll. Und sie unterstützt KMU aus der Region bei der Einführung von BGM.

 

Rund 22.000 Menschen leben in der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Daun. Der demografische Wandel ist auch hier ein Thema. Damit die Gemeinde die kommenden Herausforderungen meistern kann, hat sie 2010 den Prozess „WEGE – Wandel erfolgreich gestalten!“ ins Leben gerufen. Im Zentrum stehen dabei ein ganzheitliches Gesundheitsverständnis und ein auf Nachhaltigkeit ausgelegtes BGM.

 

Vorbild sein, andere motivieren

Die Vision „In der Verbandsgemeinde Daun leben – in einer gesunden Welt zu Hause“ erstreckt sich auf sämtliche Lebens-, Wohn- und Arbeitsbereiche und soll die Unternehmen der Region zum Nachahmen animieren. „Unser BGM ist Vorreiter und soll Vorbild für andere Betriebe sein. Gemeinsam mit der Volksbank RheinAhrEifel und dem GesundLand Vulkaneifel haben wir deshalb ein eigenes BGM-Netzwerk initiiert. Damit wollen wir kleinen und mittleren Unternehmen helfen, sich in Sachen BGM zu informieren und zu vernetzen“, so Daniela Troes, BGM-Koordinatorin der Verbandsgemeinde Daun.

 

Die Gemeindeverwaltung geht dabei selbst mit gutem Beispiel voran: Seit 2010 gibt es für die etwa 120 Verwaltungsangestellten und die rund 60 Beschäftigten in den Außenbetrieben wie Wasserwerk, Hallenbad oder Kindertagesstätten ein Betriebliches Gesundheitsmanagement. Eine Mitarbeiterbefragung ermittelte 2009 den Bedarf an betrieblicher Gesundheitsförderung in der Gemeindeverwaltung. Für die Umsetzung und Auswertung der daraus abgeleiteten Maßnahmen zeichnet ein Arbeitskreis Gesundheit verantwortlich.

 

Im Jahr 2014 wurde zusätzlich ein Gesundheitszirkel etabliert, in dem Mitarbeitende der Verwaltung vertreten sind. Auf Mitarbeiterebene werden hier Maßnahmen und Aktionen entwickelt. Interessierte Beschäftigte können sich zum Beispiel mit eigenen Ideen zum jährlichen Gesundheitstag einbringen. So wird unter anderem die Gesundheitskompetenz der Beschäftigten gefördert. Darüber hinaus zielt das BGM auf eine höhere Arbeitszufriedenheit und -motivation, ein besseres Betriebsklima und eine verbesserte Kommunikation, auf optimierte Arbeitsabläufe, stärkere Führungskompetenzen und sinkende Krankenstände.

 

Angebote für Mitarbeiter und Führungskräfte

Zu den angebotenen Maßnahmen zählen unter anderem Seminare zum Zeit-, Stress- und Konfliktmanagement, zur Gesprächsführung, zum gesundheitlichen Wohlbefinden oder zur Stärkung der psychischen Widerstandsfähigkeit (Resilienz). Für Führungskräfte gibt es besondere Seminare, zum Beispiel zu Feedback-Kultur oder Burnout-Prävention. Darüber hinaus haben alle Mitarbeitenden die Möglichkeit, Einzelcoachings in Anspruch zu nehmen. Hinzu kommen Zuschüsse der Gemeinde zu Fitnessstudio, Schwimmbad, mobiler Massage in der Verwaltung, Koch-, Tanz- und Laufkursen, Rückenfitness, Entspannungstrainings u.v.m.

 

Damit das BGM nachhaltig bleibt und dauerhaft wirken kann – ganz im Sinne des „WEGE“-Prozesses – werden alle Maßnahmen regelmäßig im Arbeitskreis Gesundheit sowie durch Mitarbeiterbefragungen und Gesundheitszirkel evaluiert. So kann unmittelbar auf die Bedürfnisse der Beschäftigten eingegangen, können Vorschläge angenommen und Maßnahmen umgesetzt werden. BGM-Koordinatorin Troes nennt aber noch einen weiteren wichtigen Punkt: „Besonders hilfreich ist, dass die oberste Führungsspitze, unser Bürgermeister, hinter dem Prozess steht und diesen durch viel Engagement fördert. Das hat unserem BGM einen enormen Schub gegeben.“

 

 


In kleinen Schritten zum Ziel

Um die Herausforderungen der BGM-Einführung zu bewältigen, haben die Schulzendorfer Elektro GmbH und die se.services GmbH auf kleine Schritte gesetzt.

 

„Wir wissen, dass wir erst am Anfang unseres BGM-Prozesses stehen. Aber viele kleine Schritte helfen, die Idee umzusetzen. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit diesem Projekt Erfolg haben werden.“ Wenn Thomas Troppens, Geschäftsführer der Schulzendorfer Elektro GmbH und der se.sevices GmbH, von der Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements in seinem mittelständischen Unternehmen in Brandenburg berichtet, ist er sich über die Herausforderungen, aber auch den Mehrwert von BGM voll bewusst. Damit die Umsetzung in dem etwa 100 Mitarbeiter umfassenden Betrieb gelingt, geht er deshalb Schritt für Schritt vor.

 

Zum Auftakt sollten Führungskräfte und Mitarbeitende in persönlichen Interviews ihre Bedarfe nennen. Viele Mitarbeiter klagten dabei vor allem über die körperlichen Belastungen auf den Baustellen sowie über häufige Arbeitsunterbrechungen, Montageleiter monierten die ständige Erreichbarkeit. Als zweiter Schritt wurde ein Gesundheitszirkel ins Leben gerufen – bestehend aus acht ausgewählten Personen, die die Belegschaft möglichst repräsentativ abbilden. Der Zirkel tagte fünfmal, diskutierte dabei die Ergebnisse der Befragung und erarbeitete gezielte Lösungsvorschläge, die er jeweils der Geschäftsleitung mitteilte. Außerdem wurden die Ergebnisse den Beschäftigten auf einem „Marktplatz Gesundheit“ vorgestellt. An themenbezogenen Pinnwänden hatten sie die Möglichkeit, die Themen und Lösungen weiter zu diskutieren, zu ergänzen und zu priorisieren. Die Geschäftsführung entschied sich zudem, eine Mitarbeiterin als Gesundheitskoordinatorin zu schulen. Sie soll als Verantwortliche die Einführung des BGM langfristig vorantreiben und als Vertrauens- und Ansprechperson für die Mitarbeitenden im Betrieb zur Verfügung stehen.

 

Gezielte Lösungen finden

Für die Mitarbeitenden brachte der BGM-Prozess einige Verbesserungen: Ein gemeinsamer Workshop mit der Geschäftsführung befasste sich mit der „Erreichbarkeit außerhalb der geregelten Arbeitszeiten“. Beschäftigte, die außerhalb des Firmensitzes arbeiten, werden nun mit einem Newsletter, der den Gehaltsbriefen beigelegt wird, über aktuelle betriebliche Entwicklungen informiert. Mittelfristig sollen zudem regelmäßige Teamsitzungen, auch auf den Baustellen, etabliert werden.

 

Veränderungen brauchen dennoch Zeit. Da die Arbeit bei der Schulzendorfer Elektro GmbH / se.services GmbH durch verschiedene Arbeitsstandorte und zum Teil größere Entfernungen zum Firmensitz geprägt ist, wird derzeit ein Anreizsystem im Betrieb entwickelt, dass Beschäftigte motivieren soll, individuell mehr für ihre Gesundheit zu tun.

 

 


Fit in der Pflege

Mit einer breiten Palette individuell nutzbarer Gesundheitsangebote sorgt das Bayerische Rote Kreuz, Kreisverband Kronach, für eine bessere Mitarbeitergesundheit.

 

Ob in der Rettung, der stationären oder ambulanten Pflege oder Servicediensten wie dem Krankenhausbesuchsdienst: Die knapp 400 hauptamtlichen Kräfte des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Kreisverband Kronach werden jeden Tag gebraucht. Damit die Qualität der Pflege stimmt, müssen auch die professionellen Helferinnen und Helfer in ihren körperlich und psychisch fordernden Berufen gesund, motiviert und leistungsfähig bleiben. Dazu trägt das Betriebliche Gesundheitsmanagement bei, das das BRK Kreisverband Kronach 2013 auf den Weg gebracht hat.

 

Prävention und Wellness

Unter dem Motto „Fit in der Pflege bis 67“ sollen die Gesundheit der Mitarbeitenden gestärkt und arbeitsbedingte Belastungen abgebaut werden. Dazu kooperiert das BRK Kreisverband Kronach mit der „i-gb – Initiative gesunder Betrieb“ und der AOK Bayern. Mitarbeitende können so verschiedene Gesundheits-, Präventions- und Wellnessangebote in der Region nutzen – und das frei nach den eigenen Bedürfnissen. Denn die Angebote sind an keine festen Zeiten gebunden und damit auch für Beschäftigte im Schichtdienst geeignet. Mit der i-gb-Card gibt es zum Beispiel kostenfreien oder vergünstigten Zugang zu Thermen und Saunen, Schwimmbädern und Fitnessstudios. Auch Physiotherapie und Massage können in Anspruch genommen werden. Darüber steht das umfangreiche Kursangebot des Kooperationspartners AOK Bayern zur Verfügung – von „Blitzentspannungen“ während der Arbeitszeit über Walking bis hin zu gesundem Essen. Beschäftigte können sich jederzeit an die Mitglieder einer Projektsteuerungsgruppe sowie an ihre Vorgesetzten wenden, wenn sie Fragen haben oder Ideen einbringen wollen. Auf diese Weise kann die Angebotspalette stetig weiterentwickelt werden.

 

Unterstützung durch Netzwerk

Hinzu kommt eine Besonderheit: Mit dem Konzept „Lebensqualität für Generationen“ können Mitarbeitende auf ein bundesweit einmaliges Betreuungs- und Versorgungsnetzwerk zurückgreifen. Kommunen, Wohlfahrtsverbände und regionale Unternehmen haben es gemeinsam mit dem BRK Kreisverband Kronach entwickelt. Ziel ist es, Beschäftigte in ihrem Familien- und Arbeitsalltag zu entlasten und in Form eines präventiven Netzwerks für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege zu sorgen. Ganz konkret hilft das Netzwerk, Hilfesuchende an die entsprechenden Stellen zu vermitteln, bürokratische Hürden zu bewältigen und individuelle Lösungen zu finden.

 

Von seinem BGM erhofft sich das BRK Kreisverband Kronach jede Menge positive Effekte. Dazu gehören nicht nur eine Sensibilisierung für typische Belastungsfaktoren, sondern auch ein geringerer Krankenstand, eine bessere Mitarbeitermotivation, der langfristige Erhalt der Arbeitsfähigkeit und eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit. Am Ende, so ist man überzeugt, zahlen sich die Investitionen doppelt aus. Denn von gesünderen Beschäftigten profitieren auch die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen.

 

 


VR-Bank Uckermark-Randow eG

Warum ihr eine gesunde, motivierte und zufriedene Mitarbeiterschaft besonders am Herzen liegt, erklärt Sandra Zierke aus dem Personalmanagement der VR-Bank Uckermark-Randow eG.

 

Weshalb hat sich Ihre Bank dafür entschieden, ein BGM einzuführen?

Uns liegt eine gesunde, motivierte und zufriedene Mitarbeiterschaft besonders am Herzen. Dafür müssen wir neuen Herausforderungen begegnen: Denn durch die demografische Entwicklung, die längere Lebensarbeitszeit und die gestiegenen Fehl- und Ausfallzeiten haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Viele Beschäftigte finden eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Freizeit wichtig.
Hier sehen wir uns als Arbeitgeber in der Pflicht, passende Angebote bereit zu stellen. Natürlich wissen wir, dass zu einem „gesunden Betrieb“ mehr gehört als Sport- und Ernährungskurse. Deshalb haben wir uns für den ganzheitlichen Ansatz entschieden. Das Thema Gesundheit soll in unsere Unternehmens- und Führungskultur integriert werden. Wir wollen unseren Betrieb so umgestalten, dass Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe so sind, dass unsere Mitarbeiter hier gesund arbeiten können. Das steigert nicht nur unsere Attraktivität als Arbeitgeber, sondern auch unsere Mitarbeiterbindung und letztlich unseren Unternehmenserfolg.

 

Wie haben Sie Ihre Maßnahmen anfangs geplant?

Unsere Krankenkasse hat uns informiert, dass es im genossenschaftlichen Bankenbereich bereits ein spezielles Programm zur Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements gibt. Wir waren schnell davon überzeugt, dass dieses Programm genau das Richtige für uns ist.

 

Wie wichtig sind für Sie branchenspezifische Gesundheitsrisiken? Welche Faktoren beziehen Sie bei der Analyse noch mit ein?

Für uns waren nicht nur die branchenspezifischen Gesundheitsrisiken ausschlaggebend. Wichtiger war uns zu erfahren, wie unsere eigenen Ergebnisse des Arbeitsfähigkeitsindexes für unsere Bank aussehen.
Wir wollten Zusammenhänge zwischen Einflüssen und Ergebnissen herstellen und von unseren Mitarbeitern hören, was sie sich im Bereich Gesundheitsförderung wünschen. Deshalb haben wir unsere Beschäftigten am Anfang unseres Projekts zu dem Thema befragt. Auf Basis dieser Ergebnisse können wir in der Zukunft gezielte Maßnahmen und Angebote für unsere Mitarbeiter entwickeln.

Was ist das Besondere bei Ihrem BGM? Welche Schwerpunkte setzen Sie?

Uns ist es wichtig, die Führungskräfte eng einzubinden. Besonderes Augenmerk legen wir auf passgenaue Maßnahmen und Angebote innerhalb unseres BGM. Dabei werden die Gesundheitspartner uns über den Zeitraum von zwei Jahren professionell begleiten und unterstützen.

 

Zu welchem Zeitpunkt haben Sie Ihre Mitarbeitenden und Führungskräfte einbezogen? Wie haben Sie die Belegschaft motiviert, selbst aktiv zu werden?

Gleich zu Beginn haben wir die Belegschaft eingebunden und ihnen auf einer Veranstaltung unser BGM-Projekt und den Steuerkreis vorgestellt. Wir haben ihnen den zeitlichen Ablauf erläutert und sie zur Mitarbeit eingeladen. Den Führungskräften kommt in unserem BGM eine besonders wichtige Rolle zu. Sie
sind nicht nur wesentlicher Partner, wenn es um die Umsetzung geht, sie prägen durch Ihren Führungsstil auch das soziale Klima im Betrieb und haben eine Vorbildfunktion in puncto Gesundheit. Wir haben sie deshalb ebenfalls von Anfang an mit einbezogen. Auf unserem Führungskräftegesundheitstag haben wir sie auf die Themen des Gesundheitsmanagements eingestimmt, vor allem auf Gesundheit als Führungsverantwortung. Darüber hinaus begleiten wir die Führungskräfte durch Seminare zur Gesundheit als Führungsverantwortung und zur Früherkennung.

 

Welches Echo finden Ihre Maßnahmen in der Belegschaft? Welche Erfolge konnten Sie schon verzeichnen?

Wir konnten Beschäftigte dafür gewinnen, sich aktiv zu engagieren. Zum Beispiel bei der Vorbereitung unseres Mitarbeitergesundheitstags. Die Resonanz darauf war sehr gut. Es war eine rundherum gelungene Veranstaltung.

 

 


Sika Trocal GmbH

Wer Mitarbeiter von Anfang an mitnimmt und versucht, ihre Ideen umzusetzen,
hat Erfolg – diese Überzeugung vertritt Ralf Zimmermann, Sika Trocal GmbH, im Interview.

Was war für die Sika Trocal GmbH der ausschlaggebende Grund, in Sachen Gesundheitsförderung aktiv zu werden?

Gesundheit ist das wichtigste Gut auch im Arbeitsleben. Stress und Anforderungen an jeden Mitarbeiter wachsen stetig. Mit ein paar Arztbesuchen ist es deshalb nicht mehr getan. Außerdem stehen wir als KMU wie viele andere Betriebe auch vor dem Problem des demografischen Wandels. Viele Menschen gehen später in Rente, sie müssen und können länger arbeiten. Der Nachwuchs wird knapp. Unsere Belegschaft ist dadurch in den letzten Jahren spürbar älter geworden. Maßnahmen zur Gesundheitsförderung werden immer wichtiger.

 

Wer hat Sie bei Ihren ersten Schritten begleitet und unterstützt?

Unsere Krankenkasse hat mit uns zusammen die Maßnahmen geplant und eingeführt. Wir haben die Mitarbeiter befragt, wo sie Handlungsbedarf sehen und Arbeitsgruppen eingerichtet. So wollten wir sicher gehen, dass die Maßnahmen auch den Wünschen der Mitarbeiter entsprechen.

 

Der Erfolg eines BGM hängt auch von der Akzeptanz der Maßnahmen ab. Wie nehmen Ihre Mitarbeiter die Angebote an?

Anfangs hatten wir Bedenken, ob wir den Erwartungen unserer Mitarbeiter entsprechen können und ob sie die Maßnahmen akzeptieren. Wir haben uns dann entschlossen, die Mitarbeiter von Anfang an mitzunehmen und versucht, ihre Ideen, so weit es geht, umzusetzen. Dieser Weg war erfolgreich, unsere Maßnahmen im Gesundheitsbereich sind sehr beliebt. Man spürt, dass unser Engagement honoriert wird.

 

Auf welche Maßnahmen konzentrieren Sie sich?

Uns ist es wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter viel bewegen. Deswegen sind wir eine Kooperation mit einem Fitnessstudio und einem Schwimmbad eingegangen. Wir als Betrieb übernehmen dabei einen Anteil der Kosten – eine zusätzliche Motivation, nach der Schicht noch die Energie für den Sport aufzubringen. Mit Obstwochen wollen wir ein Bewusstsein für gesunde Ernährungschaffen. Ebenso wichtig ist es uns, unseren Beschäftigten eine gesunde Arbeitsumgebung zu bieten. So achten wir zum Beispiel darauf, dass die Maschinen, mit denen unsere Mitarbeiter arbeiten, modernen gesundheitlichen
Standards entsprechen.

 

Warum empfehlen Sie auch anderen Betrieben ein Gesundheitsmanagement?

Herausforderungen wie der demografische Wandel und der Fachkräftemangel lassen Unternehmen schlicht keine andere Wahl. Dabei muss das Ziel sein, dass wir als Betrieb alles dafür tun, dass unsere Mitarbeiter lange gesund hier arbeiten können. Ebenso sollte jeder Beschäftigte ein Bewusstsein für die eigene Gesundheit entwickeln. Wir können sie dabei unterstützen. Am Ende muss sich aber jeder selbst für seine Gesundheit ins Zeug legen.

 

 

 


Kuraray Europe GmbH